| 07.11.07 Liebe Frau Frenzel! Ganz besonders begrüßen möchte ich unsere Taufpatin, Frau Gabriele Frenzel. Wir freuen uns, dass wir Sie gewinnen konnten, nach unserem Flaggschiff Europa nun auch einen unserer „Arbeitselefanten“ zu taufen, den Herr Adrion in seiner Rede am Terminal bereits vorgestellt hat. Ich darf Ihnen bestätigen, Sie haben die Taufe wieder sehr souverän und charmant vollzogen. Vielen Dank, dass Sie unserem jüngsten Neubau zu einer sehr standesgemäßen Taufe verholfen haben. Herzlich willkommen heißen möchte ich auch den Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. Lieber Herr Uldall, unter Ihrer Ägide hat der Hamburger Senat ein umfangreiches Zukunftsprogramm für den Hamburger Hafen bis 2015 beschlossen. Hamburgs Rolle als Logistik-Drehscheibe für das nördliche und östliche Europa wird damit gefestigt und der Hamburger Hafen als einer der wichtigsten Umschlagplätze des europäischen Außenhandels gestärkt. Ich bin sicher, dass Sie, lieber Herr Dr. Frenzel, die Rollen heute gern getauscht und das Ruder Ihrer Frau überlassen haben. Aber Sie sind hier nicht nur in Ihrer Funktion als Ehemann, sondern auch und gerade als Aufsichtsratsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG und Vorstandsvorsitzender der TUI AG. In den zehn Jahren seit dem Einstieg der TUI haben wir ein Investitionsprogramm realisiert, wie es sich der große Albert Ballin in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. 1999, als die TUI bei Hapag-Lloyd einstieg, verfügten wir über 21 Schiffe mit einer Kapazität von 80.000 TEU, heute umfasst unsere Flotte 143 Einheiten mit einer Kapazität von fast 500.000 TEU. Da Stillstand Rückschritt bedeutet, geht es weiter voran: Bis 2010 kommen weitere zehn Schwesterschiffe der „Hanover Express“ hinzu. Die nächsten beiden Einheiten werden bereits innerhalb der ersten vier Monate 2008 in die Flotte integriert. Wir bleiben also klar auf Wachstumskurs und sind uns hier sehr einig mit unserem Aufsichtsrat. Für das in uns gesetzte Vertrauen, lieber Herr Dr. Frenzel, möchte ich ausdrücklich danken und freue mich, dass Sie heute hier sein können. Last, aber ganz bestimmt nicht least begrüße ich unsere Kunden, die mit Ihren Ladungszuweisungen einen Ausbau der Flotte überhaupt erst notwendig machen. Ich hoffe sehr, dass Sie uns auch in Zukunft die Treue halten. Im Gegenzug versichere ich Ihnen, dass wir alles daran setzen, Ihren wachsenden Anforderungen in einer komplexer werdenden Logistik stets einen kleinen Schritt voraus zu sein. Meine Damen und Herren, man sagt uns Deutschen einen gewissen Grundpessimismus nach. In Deutschland ist ein Glas eher halb leer als halb voll. Betrachtet man die Entwicklung in unserer Industrie, dann scheint es sich bei der Containerschifffahrt um ein typisch deutsches Business zu handeln. Dabei gibt es keinerlei Grund dafür. Seit dem Beginn des globalen Containertransports vor 40 Jahren wächst unsere Industrie. Und sie wächst beständig schneller als der Welthandel, teilweise mit zweistelligen Zuwachsraten. Unsere Betriebsmittel, die Schiffe, erreichen eine Auslastung, von denen andere Industrien nur träumen. Aber es gibt ein Phänomen, sozusagen das „Ungeheuer von Loch Ness“, die Nessie der Containerschifffahrt: Bei uns heißt Nessie „Überkapazitäten“. Niemand hat sie gesehen, aber alle sprechen drüber. Der Unterschied ist allerdings gravierend: Je häufiger über Nessie gesprochen wird, desto besser für den Tourismus in Schottland. In unserer Industrie genügt es manchmal, dass ein Schiff nicht bis zum letzten Container ausgelastet ist und schon steht das Wort „Überkapazitäten“ im Raum. Es entwickelt sich dann eine Eigendynamik, die trotz voller Schiffe zu einer Ratenerosion führen kann. 2006 war dafür ein Beispiel. Mir ist keine andere Transportindustrie bekannt, die bei einer Jahres-Durchschnittsauslastung von 90 Prozent und mehr die Differenz zu 100 als Überkapazität bezeichnet. Mit jeder Schiffsbestellung geht diese Diskussion in eine neue Runde. Derzeit sind mehr als 1300 Containerschiffe weltweit geordert, darunter 137 Einheiten mit einer Kapazität von mehr als 10.000 Stellplätzen. Meine Damen und Herren, dies sind keine leichtfertigen Orders. Vor jeder einzelnen Bestellung analysieren der Reeder oder das Emissionshaus intensiv den Markt. Da für die Finanzierung der Schiffe Fremdkapital benötigt wird, kommen nun die Banken ins Spiel, die jeden Kreditantrag detailliert prüfen und erst dann genehmigen. Gibt es eine bessere Indikation als die Schiffsbestellungen, dass auch der Kapitalmarkt von einem gesicherten mittel- bis langfristigen Anstieg im Containerverkehr ausgeht? Wenn wir – und damit meine ich unsere gesamte Industrie – manchen Prognosen und Expertenmeinungen Glauben geschenkt und nicht vorausschauend Schiffe bestellt hätten, gäbe es heute ein massives Transportproblem, was sich durchaus negativ im Wachstum des Welthandels hätte niederschlagen können. Denn das Wachstumspotential der Weltwirtschaft ist ungebrochen und die Schiffskapazität wurde allen Unkenrufen zum Trotz auch 2006 und auch in diesem Jahr voll benötigt. China ist auf dem besten Weg, Export-Weltmeister zu werden und damit die Bundesrepublik von der Führungsposition zu verdrängen. Durch die wachsende Produktion nimmt das Land Einfluss auf die Rohstoffmärkte, von denen viele Entwicklungs- und Schwellenländer abhängig sind. Sie orientieren sich also zunehmend in ihrer Wirtschaftspolitik an China. Das Land ist und bleibt der wesentliche Impulsgeber für den Containerverkehr. Bis 2011 wird das Reich der Mitte das Exportaufkommen verdoppelt und den Import um 80 % gesteigert haben. Dies klingt nach Abhängigkeit von einem Land, die in der Realität jedoch nur begrenzt gegeben ist. In Asien verfügen auch Japan, Korea, Vietnam, Indonesien und vor allem Indien über ein großes Potential. Mittelfristig, also bis etwa 2012, gehen die Prognoseinstitute von einem jährlichen Anstieg des Welthandels von gut 6 Prozent aus. Das Wachstum im Containerverkehr lag bislang stets darüber, und alle Prognosen fielen zu konservativ aus. Das weltweite Aufkommen, das sich 2006 auf gut 100 Mio. Standardcontainer belief, soll bis 2012 auf mehr als 155 Mio. Container angestiegen sein. Das ist ein Anstieg um 55 Prozent in nur sechs Jahren! Die Internationalisierung des Handels wird fortschreiten. Denkbar ist jedoch, dass es – wie in der Vergangenheit auch – zu Veränderungen in den Warenströmen kommt. Die Produktion bestimmter Waren vagabundiert. Es handelt sich in der Regel um Billigartikel, deren Preis durch geringe Lohnkosten niedrig gehalten werden kann. China nimmt hier noch eine herausragende Stellung ein, doch in der Zwischenzeit werden auch andere Länder in Asien, teilweise auch in Osteuropa, für solche Produktion interessant. Für uns als Reeder sind die Verschiebungen in den Handelströmen weder bedrohlich noch etwas Neues. Das hat es immer gegeben. Handel funktioniert nur mit einer leistungsfähigen Schifffahrt, die verlässliche und regelmäßige Liniendienste anbietet. Unsere Schiffe sind flexibel einsetzbar, unser Liniennetz ist global und schafft damit die Voraussetzung für den Ausbau der Warenströme. Und schließlich hat die Schifffahrt die Globalisierung durch die Marginalisierung der Kosten überhaupt erst möglich gemacht. Je nach Produkt liegt der Transportkostenanteil zwischen ein und drei Prozent. 1970 waren es noch etwa 10 Prozent. Möglich war dies durch die enormen Produktivitätsfortschritte, die durch moderne Schiffe, eine flache Hierarchie, eine ausgeprägte Kundenorientierung, aber auch durch die ständige Weiterentwicklung der IT-Systeme erreicht und über attraktive Raten an den Markt weitergegeben wurde. Meine Damen und Herren, ohne die Schifffahrt, die vorausschauend investiert, gäbe es keinen Welthandel in der heutigen Ausprägung und auch keine Globalisierung. Die Schifffahrt ist flexibelste, effizienteste und die Umwelt am wenigsten belastende Transportmittel im internationalen Warenaustausch. Mit unserem Liniennetz, das alle wichtigen Häfen der Welt umfasst und das kontinuierlich erweitert wird, sind wir der Garant für funktionierende Außenhandelsverbindungen. Allerdings – und ich halte diese Forderung nicht für vermessen – müssen wir für diese Leistung auch eine faire „Entlohnung“ erwarten. Meine Damen und Herren, der Containerverkehr ist und bleibt ein Wachstumsmarkt. Es gibt keinerlei Zeichen, dass sich dies ändern wird. Die in den Markt kommenden Neubauten werden dringend benötigt, um das zu erwartende Wachstum abzufahren. Hapag-Lloyd gehört heute zu den Top Five in unserer Industrie. Wir haben den Anspruch an uns, in Kundenorientierung, Service, Qualität, Innovation und nicht zuletzt Profitabilität in unserer Industrie ganz vorn zu sein. Wir richten unsere Flotte konsequent auf weiteres Wachstum aus und würden uns freuen, wenn Sie, liebe Kunden, uns auch weiterhin die Treue halten. Die Hanover Express wird den Hamburger Hafen in Richtung Rotterdam wieder verlassen, von dort aus geht es weiter Richtung Asien. In 63 Tagen wird sie wieder ihren Heimathafen anlaufen. Meine Damen und Herren, ich möchte Sie jetzt bitten, sich von Ihren Plätzen zu erheben und mit mir Ihr Glas zu erheben. Wir wollen auf das Wohl von Frau Frenzel, unserer Taufpatin, auf Hannover sowie nicht zuletzt auf das Taufkind, die Hanover Express, anstoßen. Liebe Frau Frenzel, ich möchte Ihnen jetzt als Ausdruck unseres Dankes das Taufgeschenk überreichen.
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