| 15.04.04 Rede Michael Behrendt, Vorsitzender des Vorstands der Hapag-Lloyd AG, anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz am 15. April 2004 Meine Damen und Herren, im Namen des Hapag-Lloyd-Vorstandes begrüße ich Sie herzlich zu unserer Bilanz-Pressekonferenz. Wir freuen uns über das große Interesse, das Sie unserem Unternehmen entgegenbringen. Da wir einen neuen Kollegen im Vorstand haben, möchte ich ihn kurz vorstellen: Adolf Adrion ist seit dem 1. März 2004 Vorstandsmitglied und zuständig für unsere Linienschifffahrt. Er war bislang Geschäftsführer der Hapag-Lloyd Container Linie. Joachim Eilert, unseren Finanzvorstand, kennen Sie aus den Vorjahren.
Gestatten Sie mir vorab ein paar Anmerkungen zu unserem geplanten Börsengang: Dieser Prozess schreitet planmäßig voran. Unser alleiniger Aktionär, die TUI AG, hat die Absicht erklärt, sich durch einen sog. „Vorratsbeschluss“ durch die Hauptversammlung ermächtigen zu lassen, bis zu 49,9 % der Hapag-Lloyd-Aktien an der Börse zu platzieren. Wie groß der Anteil der Aktien der Hapag Lloyd AG ist, die aus heutiger Sicht in der zweiten Jahreshälfte 2004 letztendlich platziert werden, hängt von verschiedenen Faktoren wie etwa der Stimmung am Kapitalmarkt und der dann aktuellen Nachfrage ab. Die Konsortialbanken sind noch nicht bestimmt, folglich bitte ich schon einmal im Voraus für Verständnis, wenn wir Ihnen heute viele Ihrer Fragen zu diesem Thema noch nicht beantworten können. Wir werden Sie, sobald es dazu neue Entwicklungen gibt, selbstverständlich umgehend informieren. Dies gilt übrigens in gleichem Maße auch für den Ausblick auf das laufende Jahr. Im Rahmen unseres bevorstehenden Börsenganges wollen wir uns an die Spielregeln des „Going Public“ halten. Daher können wir Ihnen nur eine sehr grundsätzliche, verifizierbare Einschätzung abgeben. Meine Damen und Herren, obwohl sich die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr nur sehr zögerlich erholte, prognostiziert die OECD einen Anstieg des Welthandels um 4 %. Wachstumsträger waren die USA und vor allem Asien mit China an der Spitze. Der Euroraum kam erst zum Jahresende aus der Talsohle. Ausgesprochen positiv entwickelte sich der Containerverkehr, der mit einem Plus von 7,4 % ein Volumen von weltweit 65,7 Millionen Standardcontainern (TEU) erreichte. In diesem Umfeld erzielte der Hapag-Lloyd Konzern 2003 bei einem nur geringfügig von 3,8 auf 3,9 Mrd. € gestiegenen Umsatz ein operatives Ergebnis von 343 Mio. €. Damit konnten wir nicht nur den Vorjahreswert um 70 % übertreffen, sondern verbuchten erneut ein Rekordergebnis in unserer nun 157-jährigen Geschichte. Maßgeblichen Anteil daran hatte unsere Container-Linienschifffahrt. Sie ist hervorragend aufgestellt, hoch produktiv und legt großes Augenmerk auf eine optimale Kostenstruktur. Dieses war die Basis für das, verglichen mit früheren Geschäftsjahren, hervorragende Abschneiden des Hapag-Lloyd Konzerns.
Wir überweisen der TUI AG in Hannover in diesem Jahr 462 Mio. €. Das ist erheblich mehr als in den Vorjahren. Es gab und gibt keinen bei Konzernunternehmen üblichen Ergebnis-Abführungsvertrag mit der TUI. Daher wurden in den vergangenen Jahren große Teile des Jahresüberschusses thesauriert, die jetzt ausgekehrt werden. Nun zu den Bereichen, zunächst zur Hapag-Lloyd Container Linie: Unsere Hapag-Lloyd Container Linie legte mit einem Anstieg von 13,5 % auf 2,1 Mio. TEU sogar zweistellig zu und wuchs erneut schneller als der Markt. Der Umsatz der Hapag-Lloyd Container Linie erhöhte sich um 8,5 % auf 2,2 Mrd. €. Das operative Ergebnis erreichte mit 253 Mio. € einen für die Branche ausgezeichneten Wert und übertraf das Vorjahresniveau (98,2 Mio. €) deutlich.
Die wesentlichen Ursachen für das hervorragende Abschneiden lagen zum einen in der Mengensteigerung, zum anderen aber auch im Anstieg der in Dollar quotierten Frachtraten. Sie rangierten im Mittel etwa 13 % über 2002. Darüber hinaus wurde das Ergebnis durch Erlöse aus Kurssicherungen und die Auflösung bilanzieller Vorsorgen begünstigt. Dagegen standen Belastungen durch den schwächeren US-Dollar, der im Mittel um 17 Cent unter Vorjahr blieb. Wir konnten das operative Ergebnis in allen Fahrtgebieten gegenüber der Vorjahresperiode verbessern. Einzige Ausnahme war Lateinamerika, wo wir zwar hohe Volumenzuwächse verzeichneten, das operative Ergebnis jedoch unter Vorjahr blieb. Wenn es detaillierte Fragen zu den einzelnen Regionen gibt, wird mein Kollege Adolf Adrion diese im Anschluss gern beantworten.
Zu Hapag-Lloyd Kreuzfahrten: Der Markt für Kreuzfahrten war im vergangenen Jahr stark durch die terroristischen Anschläge auf Bali und in Mombasa, die Auswirkungen von SARS sowie durch den Irak-Krieg beeinflusst. Das dennoch vorhandene Marktwachstum wurde durch preisaggressives Verhalten einzelner Anbieter erreicht. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten schloss sich dieser Politik nicht an. Da das Preisniveau beibehalten wurde, ging die Bettenauslastung zurück. Zu einem erwarteten Umsatzrückgang führte darüber hinaus die geplante Einstellung der Flusskreuzfahrten im Jahr 2004, die bereits die Buchungen 2003 beeinflusste.
Insgesamt erzielte Hapag-Lloyd Kreuzfahrten einen Umsatz von 132,9 Mio. €, 12,6 % weniger als 2002. Das operative Ergebnis fiel mit – 4,9 (Vorj.: + 5,4) Mio. € negativ aus. Nun zu unserem Segment Logistik und damit zunächst zu VTG-Lehnkering: Aufgrund der schwachen Konjunktur in der chemischen Industrie fiel der Umsatz bei VTG-Lehnkering mit 922 Mio. € gegenüber dem Vorjahr (971 Mio. €) geringer aus. Hinzu kam die Ausgliederung der Sparte Industrieanlagenlogistik zum 1. Januar 2003. Dennoch verbesserte sich das operative Ergebnis von 20,8 (2002) auf 23,5 Mio. €. Der Unternehmensbereich Schienen- und Tankcontainerlogistik konnte mit einem Volumen von 401 (Vorj.: 413) Mio. € das hohe Umsatzniveau des Vorjahres nicht ganz wieder erreichen. Das operative Ergebnis des Vorjahres (13,9 Mio. €) wurde 2003 mit 15,7 Mio. € trotz der Wirtschaftsschwäche übertroffen.
Die Bulk- und Speziallogistik verbesserte mit 7,8 Mio. € das operative Ergebnis des Vorjahres (6,9 Mio. €). Nach 558 Mio. € im Jahr 2002 erwirtschaftete dieser Bereich aufgrund des Abgangs der Industrieanlagenlogistik im vergangenen Jahr einen Umsatz von 521 Mio. €. Ohne diesen Effekt hätte sich ein Umsatzanstieg von 3 % ergeben.
Wir hatten Sie bereits informiert, dass wir uns mit dem Finanzinvestor Triton über den Verkauf der Bulk- und Speziallogistikaktivitäten rückwirkend per 1. Januar 2004 geeinigt haben. Die Aktivitäten werden in der zukünftigen Lehnkering GmbH mit Sitz in Duisburg gebündelt.
Zur Spedition Pracht Die Pracht Spedition + Logistik mit Sitz in Haiger bei Frankfurt übertraf mit 209 (Vorj.: 190) Mio. € das Umsatzniveau des Vorjahres deutlich. Aufgrund des konsequenten Kostenmanagements und einer verbesserten Produktivität erwirtschaftete das Unternehmen mit 4,4 Mio. € ein deutlich verbessertes operatives Ergebnis. Das Unternehmen wurde mit Wirkung vom 1. Januar 2004 an Kühne & Nagel veräußert.
Zu Algeco: Die ausbleibende nachhaltige Erholung der Wirtschaft in Europa tangierte auch die Entwicklung bei Algeco. Der Verkauf und die Vermietung von Mobilbauten waren insbesondere durch die rückläufigen Industrieinvestitionen beeinträchtigt. Die schwächere Nachfrage führte beim Verkauf von Mobilbauten zu einem gegenüber dem Vorjahr geringeren Umsatz. Hinzu kamen strukturelle Aufwendungen im Palettengeschäft. Dennoch konnte Algeco mit 395 Mio. € den Umsatz auf dem Niveau des Jahres 2003 stabilisieren. Das operative Ergebnis erreichte 52,6 (Vorj.: 58,4) Mio. €.
Meine Damen und Herren, wie Sie sich vorstellen können, sind wir mit ganzem Engagement dabei, die Vorbereitungen für den Börsengang zu treffen. Ein Vertrag über den Verkauf der alten „Lehnkering“ an den Finanzinvestor Triton wurde gerade – rückwirkend zum 1. Januar 2004 – abgeschlossen. Die Schienenlogistik firmiert ab 1. Mai 2004 als VTG AG. Für diesen Bereich wie auch die Algeco ist der Verkaufsprozess angelaufen, er wird sich jedoch noch einige Zeit hinziehen. Hapag-Lloyd wird sich zukünftig ganz auf die Container-Linienschifffahrt und auf Luxus-Kreuzfahrten konzentrieren. Global Insight, ein US-Forschungsinstitut, erwartet für 2004 einen Anstieg des internationalen Containerverkehrs um 6 %. Für 2005 prognostiziert Global Insight 7 %, für 2006 knapp 6 %. Sollte sich dies bewahrheiten, würde das Aufkommen zwischen 2003 und 2006 um etwa 16 auf 81 Mio. TEU anwachsen. Gleichzeitig wird vorausgesagt, dass die Zahl der Containerschiffe ansteigen wird. Wir wollen alle Chancen nutzen, die sich aus der prognostizierten Entwicklung ergeben. Dies bedeutet, von innen heraus zu wachsen, schließt aber auch externes Wachstum nicht aus. Größe ist jedoch kein Wert an sich.
Die Anbieter von Kreuzfahrten in Deutschland sind überzeugt, dass es noch ein erhebliches Potential gibt. Billigangebote und Rabatte passen nicht zu einem Luxusprodukt. Solche Aktionen beschädigen das Produkt und kosten Stammkunden. Daher haben wir uns dieser Politik nicht angeschlossen. Wir wollen vielmehr unsere Stammgäste oder, wie wir sie nennen, Repeater halten und neue Kunden durch Qualität und ein attraktives Angebot auf den Schiffen begeistern. Wir verfolgen derzeit keine Neubaupläne, sondern arbeiten an einer Verbreiterung der Kundenbasis, unter anderem durch Themenreisen oder Wellness-Angebote. Dies soll die Wirtschaftlichkeit verbessern helfen und so eine tragfähige Plattform für weiteres Wachstum schaffen. Dieses Potenzial sehen wir vor allem im Luxussegment. Meine Damen und Herren, Hapag-Lloyd ist ein Unternehmen mit großer Tradition und – davon sind wir überzeugt – guten Zukunftschancen. Aufbauend auf einem soliden Fundament blicken wir zuversichtlich in die Zukunft. Der Börsengang wird dazu beitragen, die unternehmerische Unabhängigkeit zu vergrößern. Ziel ist, die Chancen des Wachstumsmarktes Containerverkehr wahrzunehmen. Daran werden wir arbeiten.
Diese Information stellt kein Angebot zum Kauf von Wertpapieren von Hapag-Lloyd AG dar. Die genannten Informationen dürfen nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika verbracht oder dort veröffentlicht oder verteilt werden.
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