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Rede Michael Behrendt anläßlich der Taufe "Berlin Express" am CTA

25.04.03

im Namen meiner beiden Kollegen Günther Casjens und Joachim Eilert begrüße ich Sie hier im Atlantic Hotel. Wir freuen uns, dass Sie unserer Einladung zu diesem festlichen Taufessen gefolgt sind, das die heutige Taufzeremonie abschließt.

Warum werden Schiffe eigentlich getauft? Für einen Seemann haben Schiffe nicht nur Charakter, sondern sie stellen für ihn auch eine Persönlichkeit dar, die mit der Namensgebung entsteht. Schiffe schlagen Brücken zwischen Kontinenten, helfen Industrie und Handel, neue Märkte zu erschließen, sie verbinden und fungieren als Botschafter. Dies umso mehr, wenn ein Schiff einen solch geschichtsträchtigen Namen erhält, wie unser Neubau, der heute getauft wurde.

Es ist Tradition bei Hapag-Lloyd, den Schiffen Städtenamen zu geben - nationale, aber auch internationale. So heißen unsere vier jüngsten und modernsten Schiffe Hamburg Express, Shanghai Express, Hong Kong Express und - last but not least - Berlin Express. Hamburg, weil wir hier seit mehr als 150 Jahren unseren Sitz haben, Shanghai als Partnerstadt Hamburgs und sprudelnde Wirtschaftsmetropole, ebenso wie Hongkong. In beiden Städten sind wir übrigens seit rund 100 Jahren präsent und unterhalten Liniendienst-Verbindungen. Schifffahrt war schon global, als es dieses Wort noch gar nicht gab, sie war und ist weltoffen und verbindend. Durch die heutige Taufe wird eines der größten und modernsten Containerschiffe als Botschafter der deutschen Hauptstadt auf den Weltmeeren unterwegs sein.

Durch die Wiedervereinigung hat der Name "Berlin Express" eine ganz besondere Bedeutung erhalten. Es ist zusammengewachsen, was zusammen gehört. Berlin ist wieder die Stadt in Deutschland. Ein Mann war fest davon überzeugt, dass die beiden Teile Deutschlands eines Tages vereinigt würden und setzte seine ganze Kraft dafür ein - zu einer Zeit, als kaum jemand ernsthaft daran glaubte: Axel Springer. Als wir dann im Vorstand den Namen für unseren vierten Neubau festlegten, war uns schnell klar, dass es eigentlich nur eine Taufpatin geben konnte: Frau Friede Springer.

Das US-Wirtschaftsmagazin Business Week urteilte vor kurzem über Sie, liebe Frau Springer: "Eine ‚Powerfrau', die das Werk Ihres Mannes weiterentwickelt". Und die eigene Akzente gesetzt hat. Sie versteht sich mehr als Unternehmerin denn als Verlegerin. Sie begleitet den Springer-Verlag mit Erfolg durch eine hartnäckige Branchenkrise. Friede Springer pflegt dabei einen zurückhaltenden Stil im Geschäftsleben. Sie vertritt ihre Pläne und Prinzipien leise, aber nachdrücklich.

Liebe Frau Springer, wir haben uns sehr gefreut, als wir Ihre Zusage erhielten, und wir waren auch ein wenig stolz, dass Sie uns die Ehre erweisen. Im Namen des Hapag-Lloyd-Vorstands möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Sie haben die Taufe heute Nachmittag mit großem Charme und dem erforderlichen Schwung vollzogen. Unsere abergläubischen Seeleute können sich entspannt zurücklehnen: Die Flasche ist gleich im ersten Anlauf zerplatzt. Aber dies war bei Ihrer besonderen Affinität zur Schifffahrt eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Sie haben uns verraten, dass es in Ihrer Familie eine Reihe von Kapitänen gab. So etwas prägt.

Leider konnte Ihr Mann diese von ihm so herbeigesehnte Entwicklung Berlins nicht mehr erleben. Bereits 1959, bei der Grundsteinlegung des Baus an der Kochstraße sagte er: "Ein Zeitungshaus wie das unsere muss sich beizeiten eine geistige Zentrale in der Hauptstadt schaffen". Niemand hat sich so für Berlin eingesetzt wie er. Er nannte dies: "Zeugnis für die Freiheit ablegen." Bei aller publizistischen Konzentration auf die Hauptstadt verfügt der Springer-Verlag unverändert über starke Wurzeln in Hamburg. Darüber sind alle Verantwortlichen hier in der Stadt froh und wir hoffen, dass dies auch so bleibt.

Große Dankbarkeit fühlte Axel Springer stets gegenüber Amerika, das für Berlin und für Deutschland eine ganz besondere Rolle spielte. Die USA haben in schwierigen Zeiten ihren Beitrag geleistet, dass sich Berlin in Freiheit und Demokratie entwickeln konnten. Daher begrüße ich ganz herzlich die Generalkonsulin der Vereinigten Staaten von Amerika, Susan Elbow, in unserer Mitte.

Meine Damen und Herren, Hapag-Lloyd versteht sich als Konzern mit globaler Ausrichtung, der Traditionen pflegt und sich seiner Geschichte verbunden fühlt, aber dennoch den Blick auf die Zukunft nicht aus den Augen verliert. 1999 erfolgte die Umstrukturierung zu einem reinen Transport- und Logistikunternehmen. Nach nunmehr gut drei Jahren in der neuen Struktur kann man sagen, dass Hapag-Lloyd noch nie so erfolgreich war: 1999/2000 und 2001 haben wir zwei Jahre hintereinander Rekordergebnisse erwirtschaftet. Im Jahr 2002 konnten auch wir uns der weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht ganz entziehen. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes, in dem wir uns im vergangenen Jahr bewegten, werden wir auch für 2002 gegen den Branchentrend ein vorzeigbares Ergebnis vorlegen. Einen wesentlichen Anteil daran hatte unsere Container-Linie, die ihr Transportaufkommen auch 2002 zweistellig erhöhen konnte und damit wieder schneller als der Markt gewachsen ist. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich es bei diesen wenigen Aussagen zur Bilanz belassen möchte, da wir erst Mitte Mai unsere Bilanzzahlen publizieren.

Meine Damen und Herren, die Wirtschaft kommt nicht recht in Schwung, insbesondere in Deutschland herrschen Kaufzurückhaltung und eine geringe Investitionsneigung. Die Gründe dafür sind uns allen, die wir uns täglich von Berufs wegen mit Wirtschaft beschäftigen, bekannt. Und es gibt auch keinen Zweifel daran, dass es dringend einer Politik bedarf, die diesen Reformstau auflöst. Aber, meine Damen und Herren, wirtschaftliches Handeln wird zur Hälfte auch durch Psychologie bestimmt. Wenn es darüber Konsens gibt, dann haben wir Unternehmer einen Schlüssel in der Hand, der zu einer Umkehr führen kann. Lassen Sie uns nicht mehr so sehr auf die negativen Rahmenbedingungen schauen, sondern auf die Vorzüge, die dieses Land zweifellos immer noch zu bieten hat: Hervorragend ausgebildete und engagierte Mitarbeiter, ausreichend Kapital und nicht zuletzt Know-How. Erforderlich ist eine klare Zielbeschreibung und ein Schulterschluss von Wirtschaft und Politik, um Behördenwege abzubauen, Kapitalgeber zu finden und Projekte umzusetzen. Wir müssen den Eindruck von der deutschen Ratlosigkeit überwinden. Notwendig ist wieder eine Aufbruchstimmung in diesem Land. Das sind wir auch und gerade den zukünftigen Generationen schuldig.

Hapag-Lloyd blickt optimistisch in die Zukunft, was sich in der Wirtschaft immer am deutlichsten an Investitionen ablesen läßt. Der Aufsichtsrat unserer Gesellschaft hat heute den Neubau von drei weiteren Containerschiffen genehmigt. Die Neubauten, die in den Jahren 2005/2006 zur Flotte stoßen werden, bewegen sich kapazitätsmäßig ein wenig über dem Niveau unserer Berlin Express, unseres heutigen Täuflings.

Meine Damen und Herren, ich möchte Sie nun bitten, Ihr Glas zu erheben und mit mir auf die Taufpatin, Frau Springer, den Springer-Verlag, die Berlin Express und auf Berlin anzustoßen.

Liebe Frau Springer, darf ich Sie nach vorne bitten, ich möchte Ihnen jetzt als Ausdruck unseres Dankes das Taufgeschenk überreichen.



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