13.09.00
Hapag-Lloyd 1999/2000 (1.10. - 30.9.):
- Betriebsergebnis mit rd. 230 Mio. € mehr als verdoppelt
- Überproportionaler Gewinnzuwachs in der Linienschifffahrt
- Konzern-Umsatzrendite vor Steuern über 6 %
I. Geschäftsentwicklung 1999/2000
Der seit dem 1.10.1999 auf Transport und Logistik fokussierte Hapag-Lloyd Konzern hatte einen hervorragenden Start. Das Betriebsergebnis nach Abschreibungen und Zinsen wird von 109 Mio. € auf rd. 230 Mio. € ansteigen. Dabei hat die Linienschifffahrt den größten Anteil am Betriebsergebnis und am Ergebniszuwachs. Der Konzernumsatz wird sich auf rd. 3,6 Mrd. € (+ 18 %) erhöhen.
Linienschifffahrt
Die Linienschifffahrt wird ihren Betriebsgewinn gegenüber dem Vorjahr von 56 Mio. € auf mindestens 147 Mio. € steigern.
Unsere Liniendienste profitierten von einer erhöhten Transportleistung und Produktivität, dem festen US-Dollar und den nach fortgesetzten Rückgängen der Vorjahre erstmals leicht anziehenden Frachtraten. Dem stehen erhebliche Ergebnisbelastungen aus den deutlich höheren Bunkerkosten gegenüber.
Die Hapag-Lloyd Container Linie brachte im Verlauf des Geschäftsjahres fünf neue Schiffe mit einer Kapazität von je 4.900 Standard-Containern (TEU) in Fahrt und erhöhte ihr Transportvolumen um 10 % auf 1,6 Mio. TEU. Sie wächst damit erneut schneller als der Markt, der mit einer Steigerung um 7 % den positiven weltwirtschaftlichen Konjunkturverlauf widerspiegelt. Zum Wachstum trugen alle von Hapag-Lloyd bedienten Kontinente bei. In Asien normalisierte sich das im Vorjahr noch stark ungleichgewichtige Verhältnis von Im- und Exporten auf hohem Niveau. Darüber hinaus wirkten sich die wirtschaftliche Erholung Europas und der anhaltende Boom in Nordamerika positiv aus. Neben einer deutlichen Steigerung des Transportbedarfs auf dem Nordatlantik führte dies jedoch auf dem Pazifik zu zunehmenden Ungleichgewichten, da die USA vor allem im Handel mit Asien bei stagnierenden Exporten deutlich mehr Güter importieren als im Vorjahr.
Vor dem Hintergrund der kräftigen Nachfrage konnten in verschiedenen Verkehren Ratensteigerungen erzielt werden, zumal erstmals seit vielen Jahren ein Rückgang des Kapazitätsüberhangs verzeichnet wurde.
Auch in diesem Jahr bewältigte die Hapag-Lloyd Container Linie das Mengenwachstum in ihrer weltweiten Vertriebs- und Logistikorganisation mit unveränderter Personalstärke. Diese Produktivitätssteigerung basiert vor allem auf der konsequenten Fortentwicklung unserer weltweit vernetzten IT-Infrastruktur und -systeme. Auch unsere Yield-Management-Systeme, die eine ertragsorientierte Steuerung der Ladung ermöglichen, führten zu merklichen Ergebnissteigerungen.
Die Schiffsystemkosten je transportierter Containereinheit konnten weiter reduziert werden. Hier zeigen sich die positiven Effekte aus der gemeinsamen Steuerung und Nutzung der Schiffskapazitäten mit vier asiatischen und europäischen Partnern im Rahmen der Grand Alliance, dem weltweit größten Konsortium der Container-Linienschifffahrt.
Da für die Linienschifffahrt von Hapag-Lloyd mehr Erlöse als Kosten in US-Dollar anfallen, hat der Dollar-Wechselkurs traditionell Auswirkungen auf das Ergebnis. Nach einem negativen Wechselkurseinfluss im Vorjahr ging von der amerikanischen Währung aufgrund der durchschnittlichen Kurssteigerung von 13 % gegenüber dem Euro im Geschäftsjahr 1999/2000 ein nicht unerheblicher positiver Ergebniseffekt aus. Andererseits führte die substanzielle Erhöhung der Bunkerkosten zu einer erheblichen Ergebnisbelastung. Im Jahresmittel war auf Euro-Basis eine Verdoppelung des Treibstoffpreises zu verkraften.
Zu den Regionen im Einzelnen:
Die Region Europa wird das Vorjahresergebnis deutlich übertreffen. Die Ergebnisverbesserung ist in erster Linie auf ein erhebliches Mengenwachstum, insbesondere auf dem Nordatlantik, zurückzuführen. Ferner verzeichnete die Region Europa stabile Frachtraten sowohl in Richtung Amerika als auch nach Asien.
Das Ergebnis der Region West wird den Vorjahreswert unter-schrei-ten. Ursache sind weitere Ratenrückgänge im Verkehr nach Asien und Europa. Diese Ergebnisbelastungen werden durch kräftige Mengenzuwächse sowohl auf dem Nordatlantik als auch auf dem Pazifik, wo wir zusätzliche Schiffskapazität eingesetzt haben, nicht ausgeglichen.
Wie auch im Vorjahr wird der Betriebsgewinn der Region Ost den Vorjahreswert substanziell übertreffen. Gestiegene Transportmengen, insbesondere im Verkehr nach Amerika, und Export-Ratenerholungen trugen zu der Ergebnisverbesserung bei. Eine optimierte Containerdisposition führte außerdem zu gesunkenen Kosten für den Transport von leeren Containern. Die innerasiatischen Transporte stabilisierten sich auf einem erfreulichen Niveau.
Die Rickmers-Linie, in der die konventionellen Dienste zusammengefasst waren, wurde mit Wirkung zum 1.1.2000 verkauft.
Kreuzfahrten
Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erwartet eine Steigerung des Ergebnisses von 2 auf 4 Mio. €. Die Verbesserung ist maßgeblich von der neuen EUROPA geprägt, die ein erfolgreiches erstes Betriebsjahr verzeichnete. Die COLUMBUS etablierte sich mit einer erfreulichen Auslastung und einem zufriedenstellenden Ergebnis im 3-Sterne-Markt. Die HANSEATIC hat ihre stabile Auslastungs- und Ergebnissituation fortgesetzt.
Spedition Pracht
Die Spedition Pracht wird trotz des Verkaufs von German Parcel ihren vorjährigen Betriebsgewinn von 3 Mio. € wiederholen. Die wettbewerbsintensiven deutschen und europäischen Landverkehre werden ihren Ertrag verbessern und profitieren von der starken Marktstellung von Pracht im hessischen Einzugsgebiet. Auch der Bereich Lager und Distribution, in dem das Geschäft mit einem Großkunden neu strukturiert wurde, wird seinen Ergebnisbeitrag steigern.
VTG- Lehnkering
Flankiert von einer ansteigenden Chemiekonjunktur verzeichnete VTG-Lehnkering einen insgesamt erfreulichen Geschäftsverlauf. Das Betriebsergebnis wird auf rd. 23 Mio. € ansteigen (Vorjahr: 17 Mio. €).
Der Ergebnisanstieg stammt überwiegend aus dem Kerngeschäft der Schienenlogistik, die von einer Ausweitung der Geschäftsaktivitäten sowie von operativen Verbesserungen profitiert. Die Beteiligung an der Transwaggon, dem mit einem disponierten Bestand von 8.000 Wagen größten privaten Vermieter von Güterwaggons in Europa, wurde auf eine Mehrheit von 54 % aufgestockt. Zusätzlich wirkt sich der Beitrag des im Januar 2000 übernommenen und von der Transwaggon disponierten Güterwagenparks der IVG positiv aus. Auch der Bestand an Kesselwagen wurde durch Neubestellungen und durch die Übernahme der Wagenparks von Kunden vergrößert. Außerdem trugen geringere Instandhaltungskosten wesentlich zum Ergebnisanstieg bei, was vor allem auf einen zyklischen Verlauf der Wagenrevisionen zurückzuführen war. Die Auslastung der Waggons lag auf hohem Niveau.
In der Binnenschifffahrt profitierte die Tankschifffahrt von einer stabilen Nachfrage und von der vollständigen Einbeziehung der Rhein-Fracht, die im Vorjahr nur zeitanteilig enthalten war und ihren Ertrag nach Restrukturierungen verbessert hat. Hinzu kamen günstigere Wasserstände auf den Flüssen. Im Bereich Chemieservice stand der positiven Ergebnisentwicklung des Contract-Manufacturers Dr. Schirm AG ein Rück-gang des für die Bauindustrie tätigen PU-Schaum- und Aerosol-Herstellers HAGO gegenüber. Der Ergebnisverlauf der Bereiche Tankcontainerspedition, Straßentransporte sowie Tank- und Gefahrgutlager war uneinheitlich. Die Maritimen Dienstleistungen waren durch nennenswerte Ergebnisrückgänge in der Schleppschifffahrt belastet.
Algeco
Algeco, Macon/Frankreich, verzeichnete eine erfreuliche Geschäftsentwicklung. Das Betriebsergebnis wird bei rd. 52 Mio. € liegen und den guten Vorjahreswert von 43 Mio. € deutlich übertreffen.
Die Verbesserung resultiert ausschließlich aus dem Kerngeschäft - der Produktion, der Vermietung und des Verkaufs von Mobilbauten - das 90 % des Algeco-Umsatzes ausmacht. Auf Basis ihrer führenden Marktstellung profitierte Algeco von der starken Konjunktur in wichtigen Ländern Mitteleuropas. In Frankreich, Deutschland und auf der iberischen Halbinsel lag die Auslastung im Vermietgeschäft bei deutlich erhöhten Kapazitäten mindestens auf dem erfreulichen Vorjahresniveau. Gleichzeitig wurden Produktion und Vertrieb in Tschechien und Polen aufgebaut.
Die im Bereich Transport geführten französischen Schienenlogistik-Aktivitäten entwickelten sich zufriedenstellend und trugen planmäßig zum Betriebsergebnis bei.
Investitionen
Hapag-Lloyd wird in diesem Geschäftsjahr rd. 500 Mio. € investieren.
Auf die Linienschifffahrt entfallen 240 Mio. €, die im Wesentlichen Schluss-Zahlungen für im laufenden Geschäftsjahr ausgelieferte Containerschiffe, Anzahlungen für vier bestellte Schiffe der neuesten Generation (je 7.200 TEU) sowie Container-Beschaffungen betrafen.
Bei VTG-Lehnkering wurden ca. 150 Mio. € vorwiegend in Kessel- und Güterwaggons der Schienenlogistik investiert. Die Investitionen der Algeco-Gruppe liegen bei rd. 100 Mio. € und konzentrieren sich auf den stark wachsenden Mobilbautenpark.
Cash-flow
Die Investitionen wurden weitgehend durch den Cash-flow finanziert, der bei rd. 380 Mio. € liegen wird.
|